Queerulant_in : Jungs gucken

Thumbnail Comic Jungsgucken[A comic on queer cruising. An english translation will be available soon][Eine Transkription der Bildern und Worte des Comics in reinen Text ist unter dem Comic am Ende des Eintrags zu finden.]

Endlich ist Queerulant_in Nummer 8. Der Fokus des neuen Heftes zu queeren Politiken und Praxen ist Trans* und Elternschaft. Mein Comicbeitrag passt nicht zum Thema Elternschaft, aber es geht um queeres Begehren und Wahrnehmungen.

Ich hab „Jungs gucken“ nochmal vom Text her überarbeitet. Die vorherige Version könnt ihr Euch noch anschauen und lesen wie ich den Text verändert habe. Besonders was den Text angeht bin ich an Euren Kommentaren interessiert. Habt ihr kritische Anmerkungen?

Das Comic wurde zuerst analog angefertigt:
mit Bleistift auf blauem Karton gezeichnet
mit Tinte geinkt
mit Buntstiften koloriert
Der Text wurde digital mit meinem Font angelegt.

Menschen bewerten das Aussehen anderer auf unterschiedliche Weisen, ist ja klar. Das Comic basiert auf einer wahren Geschichte, die mich schon ein paar Jahre im wieder zum Schmunzeln bringt wenn ich daran denke. Ein paar Details habe ich geändert, zum Beispiel den Ort. Auf dem Boxhagener Platz und in der Umgebung bin ich zwar aufgewachsen, aber die Geschichte ist in München passiert und nicht in Berlin.

das Comic Jungs gucken?

Transkription

Jungs gucken

Ich und Matthias schoben unsere Fahrräder einen Weg im Park entlang. Ich: “Ich will Schoko”
Matthias: “Ich auch.” Matthias kannte ich über Peter mit dem ich damals les-bi-schwule Aufklärung
in Schulklassen machte. Ein muskulöser Jogger lief an uns beiden vorbei und wir drehten beide den
Kopf nach ihm um.

Zusammen guckten wir oft nach Jungs. Wir liefen an der Liegewiese vor bei und Matthias zeigte
auf jemanden: “Der mit dem Nasenpiercing gefällt mir.” “Oh, ja.”, antwortete ich.
Ich liefe vor zum Eisverkaufsdreirad. Die drei bunten Luftballons bewegten sich im Wind. Ich rief
zu Matthias, der die Fahrräder anschloß: “Willste auch beides?”

Matthias saß gemütlich auf der Bank. Ich brachte unser Eis mit Schoko und Schoko-Ingwer rüber.

Ich: “Boah, lecker!” Wir schauten weiter nach den Leuten die auf der Wiese saßen. “So
grundsätzlich…”, fragte mich Matthias, “wen findest Du eigentlich attraktiv?”

Ich: “Ich mag maskulines Aussehen von Frauen und auch ihre butche Energie und feminine
Männer. Da soll so eine gewisse Balance sein.” Ein Typ mit kleinem süßem Hündchen, Hipsterbart
und Kaschmirpullover verdrehte unsere Köpfe als er vorbei kam. Ich dachte mir: “Na ja, und ich
mag solche wie mich.” Wörter wie genderdqueer oder nonbinary kannte ich damals noch nicht.

Matthias grinste: “Also für mich ist das komplett anders. Männer können gar nicht maskulin genug
aussehen.”

Von oben sah man uns beide auf der Bank sitzen. Matthias fuhr fort: “Ich mag ihre, naja, gelassen
selbstbewusste Männlichkeit.” Wir drehten uns wirklich immer begeistert nach den gleichen
Männern um! Wir waren nur noch zwei kleine Punkte da unten im Park und rundherum standen die
Altbauhäuser von Friedrichshain.

Worte & Bilder & Transkription : AnnaHeger, 2014

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