WebComicKollektiv : Privilegien

Gerechtigkeit1_TN_B

[The English translation for this comic does not exist yet.]
[Eine Transkription der Bildern und Worte des Comics in reinen Text befindet sich unter dem Comic.]

Mein Beitrag zum WebComicKollektiv Nummer vier zum Thema Privilegien ist der Comic UnterDruck Archiv. Im ersten Teil geht es darum sich bezüglich der eigenen Privilegien zu positionieren. Den zweiten Teil kennt ihr, weil es der Beitrag zum Thema Gerechtigkeit beim WebComicKollektiv Nummer drei war. Im letzten Teil habe ich nochmal aufgegriffen für wie wichtig ich das Verständnis der Kolonialgeschichte für das Verständnis des Rassismus in Deutschland finde, also zum Beispiel institutioneller Rassismus und Alltagsrassismus. Das Thema hatte ich ja auch im MiniComic 16 Burggeschichte schonmal gestreift hab. Im Comic werden die Pronomen ohne Geschlecht verwendet: xier=sie_er, xiese=ihre_seine und xieser=ihrer_seiner. Das komplette Comic mit sechs Seiten gibt es auf einer extra Seite: Unterdruckarchiv.

Comic Gerechtigkeit_3A4_C

Anna Heger
UnterDruck Archiv

1) Eine Hand hält ein Smartphone auf dessen Bildschirm steht „Unter Druck Archiv“.

2) Zwei weiße Menschen in Jeans, A mit blondem Dutt und B mit braunem Pferdeschwanz, sitzen zusammen auf einer Decke. A hält das Smartphone in der Hand und beide schauen auf den Bildschirm.
A: „Ich habe gestern noch ein weiteres Interview für das Archiv geschnitten.“
[Erklärung für Archiv: Im Netz-Archiv Unter Druck befinden sich Interviews über Unterdrückung aus vielen verschiedenen Perspektiven.]

3) Auf dem Bildschirm ist eine weiße Person, C, mit kurzen dunklen Haaren, die ins Gesicht fallen ist abgebildet. C schaut freundlich in die Kamera. Nur der Oberkörper ist vor schwarzem Hintergrund zu sehen. Aus dem Hintergrund kommt die Stimme einer Person, D, die nicht zu sehen ist.
D: „Was fällt Dir als erstes zu Unterdrückung ein?“
C: „Menschen profitieren oder leiden unter Unterdrückung auf sehr unterschiedliche Weisen …“

4) C schaut unsicher an der Kamera vorbei und hat die Hand am Hals.
D: „Und Du?“
C: „Ich profitiere von unterdrückenden Strukturen wenn es, zum Beispiel, um Rassismus oder Klassismus geht.“
[Erklärung zu Klassismus: Klassismus ist die Abwertung von Menschen auf Grund von, als
niedriger wahrgenommener Arbeit oder niedrigerem formellen Bildungstand.]

5) C schaut selbstsicherer in die Kamera und streckt beim Sprechen die linke Hand nach vorn.
C: „Ich werde durch Sexismus und Heterozentrismus benachteiligt.“
[Erklärung zu Heterozentrismus: Heterozentrismus ist die strukturelle Benachteilung von Menschen, die nicht heterosexuell, sondern zum Beispiel lesbisch, schwul oder bisexuell sind.]

6) C streicht sich die Haare aus dem Gesicht und schaut ernst in die Kamera.
C: „Ich will weniger Unterdrückung auf der Arbeit, im Freundeskreis, im Volleyballverein … Da habe ich ja auch Einfluß den ich nutzen kann. Ich will mehr Gerechtigkeit, deswegen will ich klar haben was Unterdrückung ist. Unterdrückung hat viele Dimensionen. Wenn ich mich mit Sexismus beschäftige, muß ich bedenken, dass ein Teil aller Frauen zusätzlich noch von Rassismus betroffen ist. Umgekehrt wirkt sich Rassismus auf Frauen zum Teil anders aus als auf Männer.“
[Erklärung zu Dimensionen: Die Dimensionen sozialer Ungleichheit sind verwoben. Neben Heterozentrismus, Sexismus, Klassismus und Rassismus gibt es weitere Dimensionen.]

7) Im Hintergrund sind Windungen des Films einer losen Kinofilmrolle zu sehen. Davor sind drei linke Hände zu sehen. Die erste Hand zählt „Eins“, der Daumen ist entsprechend mit „1“ markiert. Die zweite Hand zählt „Zwei“ und der Zeigefinger ist mit „2“ markiert. Zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger sind Linien eingezeichnet als würde sich dort ein Spinnennetz aufspannen. Die dritte Hand zählt „Drei“ und der Mittelfinger ist mit „3 und so weiter …“ markiert. Die drei ausgestreckten Finger sind mit Linien in der Art eines komplizierten Spinnennetztes verbunden. Auf dem Ende des Filmes im Hintergrund steht: „Die Dimensionen sind verwoben wie ein Spinnennetz.“

8) C schaut aus dem Filmpanel wie aus einem Fenster. Die Hände von C schaut auf xiese Hände, die xier aus dem Filmpanel mit den Handflächen nach oben, nach unter raus hält. Von xieser rechten Hand gehen zwei Pfeile nach unten, daneben der Text „nach untern geschoben werden“. Von xieser linken Hand gehen zwei Pfeile nach oben, daneben der Text „sich nach oben schieben lassen“.
C: „Jede Unterdrückung hat ihre Richtung und ihre Struktur. Wir sind nicht alle-ein-bisschen-von-Sexismus-betroffen. Sexismus richtet sich gegen Frauen. Bei Unterdrückungen geht nicht nur darum, dass mich-mal-wer-schlecht-behandelt hat. Es geht um Ungerechtigkeiten im Beruf, um Benachteiligung beim Erwachsen-werden und ganz grundsätzlich um die Struktur der Gesellschaft als Ganze.“

9) C hat die Arm ausgebreitet und schaut freundlich in die Kamera.
C: „Außerdem hat Unterdrückung eine Geschichte – in einer Stadt, in einem Land und auch global. Den Rassismus in Deutschland habe ich begonnen besser zu verstehen, als ich mich mit der deutschen Kolonialzeit beschäftigt habe : dass es eine gab – von wann bis wann sie dauerte – was sich wann zugetragen hat – wer die Menschen waren, die beteiligt waren …“

10) Wieder ist aufgerollte Filmrolle zu sehen. Auf dieser stehen Eckdaten der deutschen Kolonialgeschichte: 1682, 1847, 1884, 1888, 1904, 1940.

11) C schaut ernst in die Kamera und zeigt mit dem Finger auf sich selbst.
C: „Und schließlich sind sowohl Privilegien als auch der Widerstand gegen Unterdrückung mit meiner eigenen Lebensgeschichte verbunden.“

12) Das Smartphone wird in einer Hand gehalten. Der Daumen drückt den unteren Knopf und schaltet das Gerät ab. Der Bildschirm wird immer kleiner bis er schließlich verschwindet.

13) Wieder sind A und B auf der Decke zu sehen. Sie schauen sich an.
B: „Das mit den vier Eckpfeilern : Richtung, Struktur, Dimensionen und Geschichte ist cool und das Positionieren ist schön kurz.“
A: „Wenn alle neuen Interviews fertig sind, können sie ins Netz.“
[Erklärung zu Positionieren : Mich Positionieren heißt mir bewußt zu machen wo ich privilegiert bin und wo ich Unterdrückung erfahre.]

Worte & Bilder : Anna Heger 2013
annaheger.wordpress.com

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